Auf den nachfolgenden Seiten habe ich ein paar Texte eingestellt, die ich in den letzten Jahren verfasst habe.
Mit dabei ein Auszug aus der Kurzgeschichte "Die Chronik der Ange de la Mort", die in der Anthologie
Zwischen Himmel und Erde im Engelsdorfer Verlag erschienen ist.
Diese Kurzgeschichte hat auf eine gewisse Weise ein Eigenleben entwickelt, denn sie löste eine ganze Lawine von Ideen aus. Diese Ideen ordne und ergänze ich zur Zeit, um daraus mein nächstes Projekt zu generieren: Einen Roman über die Ange de la Mort.
Die Chronik der Ange de la Mort - Asuran
(Unveröffentlichte Kurzgeschichte)
Als der Mann in ihren Armen zusammenbrach, wurde Isabell von seinem Gewicht zu Boden gerissen. Mit klopfendem Herzen lag sie in ihrem Hausflur unter der dunklen Gestalt begraben, ein paar Sekunden zu perplex, um zu reagieren. Dann überkam sie jedoch Panik, mit hektischem Strampeln schob sie den Körper beiseite und sortierte Arme und Beine, bis sie endlich auf die Füße kam. „Du weißt wohl auch nicht, wann genug ist, was?“, zischte sie verärgert, stieß den leblosen Körper mit einem Schuh an und beugte sich schließlich vorsichtig etwas tiefer. Von seinem Haar bis zu den Stiefeln war er in schwarz gehüllt – wenn man von seinem bleichen, markanten Gesicht einmal absah. Dann stutzte sie plötzlich. An ihm haftete weder der typische Kneipengeruch, noch sah er wie ein Trunkenbold aus. Seiner Kleidung nach zu urteilen konnte er unmöglich einer von den Arbeitern sein, die sonst in diesem Viertel herumstreunten. Ihren eigentlichen Plan, ihn auf die Straße zu schaffen und dort ausnüchtern zu lassen, konnte sie damit getrost vergessen. Wenn das Pack erst einmal von einem edel gekleideten und hilflos in der Gasse liegenden Mann Wind bekam, würde es über ihn herfallen und bis auf die Knochen ausrauben. Ratlos stemmte sie die Hände in die Hüften und sah auf ihn hinab, als er sich leise stöhnend zusammenkrümmte. Sie hatte sich immer dagegen gewehrt, zu einem Teil dieses Viertels zu werden, so rücksichtslos und hart wie die anderen. Dieser Mann brauchte Hilfe, und er würde sie auch bekommen. Egal,...weiterlesen
nach obenDie Chronik der Ange de la Mort
Und dann, als der Tod erkannte, dass es Derer zu viele gab, erschuf er sie. Wesen, geformt nach seinem Willen und Antlitz. Geschaffen, ihm zu dienen und zu helfen jene in die Welt zu begleiten, die er beherrscht. Und so erfüllt das Rascheln ihrer Flügel noch heute die Seelen, deren letzte Stunde naht.
Auszug aus „Die Chronik der Ange de la Mort“
Seit Jahrhunderten beobachtete ich die Menschen, begleitete tausende über die letzte Schwelle ihrer körperlichen Existenz und doch schien es mir, dass sie immer gleich waren. Mochten sie in ihrem Leben Könige oder Bettler gewesen sein,...weiterlesen
nach obenDie unvorhergesehenen Auswirkungen der Schweinegrippe
Mein Blick klebte fassungslos an dem weißen Etwas in meiner Hand. Mir war unbegreiflich, was ich mit der hässlichen, entstellenden, unpraktischen und vor allem beinahe luftdichten Atemschutzmaske anfangen sollte. „Drücken Sie den Bügel am Nasenrücken fest und schon sitzt die Maske perfekt.“ Der gute Mann am anderen Ende des Raumes gab gerade das Sicherheitsballett für Pandemieanfänger und glaubte allen Ernstes, dass er dem weißem Fetzen in seinem Gesicht mit seinen wilden Armbewegungen einen Hauch Anmut verleihen konnte. Ich verdrehte die Augen. Wenn Schutzmasken sexy wären,...weiterlesen
nach obenWeihnachten für Ferdinand
Der Tag neigte sich dem Ende zu und noch immer rannte Ferdinand durch Schnee und Eis. Eigentlich sollte er längst durch dichte Wälder laufen, umgeben vom appetitlichen Geruch frischen Wilds. Stattdessen klebten ihm Eisklumpen zwischen den Pfoten, sein Fell war steifgefroren und die kleinen Eiszapfen um seine Schnauze ließen ihn wie Uropa Wolfram aussehen. Ob es ihm nun gefiel oder nicht, er konnte es nicht länger leugnen: Er hatte sich verirrt. Wenn seine Brüder davon Wind bekamen, würden sie ihn in hundert Jahren...weiterlesen
nach obenVon Umzügen und Kaffeezombies
Irgendwo im kosmischen Plan muss es einen extra Punkt geben, der besagt, dass Menschen regelmäßig mit Umzügen gefoltert werden müssen. Vermutlich all jene bedauernswerten Wesen, die in einem ihrer vergangenen Leben etwas Schreckliches angestellt haben. Mann, muss ich böse gewesen sein. Am Samstag hatte ich das Vergnügen, an der Verlagerung des Lebensmittelpunktes meiner Großeltern teilnehmen zu dürfen. Selbstverständlich beginnen solche Aktionen immer zu den unchristlichsten Zeiten, und hier bestand die besondere Herausforderung...weiterlesen
nach obenTot aber Feurig, Episode 1: Middeath Crisis
Episode 1 von Tanya Carpenter und Melanie Stone
„Ich bin hässlich!“, jammerte Lucretia und schob das Frühstück von sich.
„Aber nein, Schatz. Du bist die bezauberndste Schwangere, die es gibt“, versuchte Gil seine Frau zu trösten und hauchte zärtliche Küsse auf ihre bleichen Wangen. Seit sie die Frucht seiner Lenden in sich trug, liebte er sie mehr denn je.
„Ich bin fett!“, widersprach sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du bist schwanger.“
„Ich sehe aus, wie ein überfressener Troll.“
„Nein, Schatz. Wie Cousin Florewig siehst du nicht aus.“
Es war gut gemeint, aber der Vergleich ließ Lucy in Tränen ausbrechen.
„Ich erinnere dich an Flo. Oh, ich bin noch fetter, als ich dachte.“
Was auch immer er jetzt sagte,...weiterlesen
Tot aber Feurig, Episode 2: Ein neuer Anstrich
Episode 2 von Tanya Carpenter und Melanie Stone
Die Oktobersonne strahlte durch die hohen Fenster von Mort M’ardent. Während sich Gil und Lucy nach dem Brunch mit Mortica in den Salon zurückzogen, blieb es Gerard überlassen, auch dem jüngsten Familienmitglied sein Frühstück zu bringen. Aus diesem Grund eilte er durch die große Vorhalle zum Kinderzimmer. Seine Aufmachung hatte allerdings nichts damit zu tun, dass er befürchtete, der eingangs erwähnte Himmelskörper könne sich in eine Supernova verwandeln. Nein, Schweißerhelm und Asbesthandschuhe gehörten wie die feuerfeste Schürze mehrmals täglich zu seiner Berufskleidung,...weiterlesen
Tot aber Feurig, Episode 3: Schaschlikspieße und andere Katastrophen
Episode 3 von Tanya Carpenter und Melanie Stone
„Schätzelein, ich habe schon für den König von Atlantis gekocht, da bist du noch mit der Windel um den Farn gerannt! Darum zum letzten Mal: Schneckeneintopf!“
„Wegen deinem fetten Fraß ist die Insel auch untergegangen! Ich werde nicht zulassen, dass du mit deinen terroristischen Kochanschlägen auch noch dieses Adelsgeschlecht ausrottest! Daher: Meerschaum Soupé!“
Dialoge dieser Art führten die beiden Köche Horst und O’dol bereits seit Stunden. Ihnen war von Lucy aufgetragen worden, das Buffet für die bevorstehende Halloweenparty zu planen, und die Vorstellungen des Trolls und des Elfen lagen so weit auseinander, dass die Abstimmung eine tagesfüllende Aufgabe war. Dabei waren sie erst bei der Suppe. Nicht auszudenken,...weiterlesen
Tot aber Feurig, Episode 4: Ach du Fröhliche
Episode 4 von Tanya Carpenter und Melanie Stone
Über Nacht hatte eine dichte Schneedecke Mort M’ardent in einen Winterzauber verwandelt und die Bewohner in festliche Stimmung versetzt. Vergessen war Lady Penelopees Kritik zur sparsamen Weihnachtsdeko. Gerard hatte dies irritiert zur Kenntnis genommen, da sich seine Netzhaut regelmäßig beim Einschalten der Beleuchtung ablöste...weiterlesen
Tot aber Feurig, Episode 5: Russische Polonaise
Episode 5 von Tanya Carpenter und Melanie Stone
Gerard rannen Sturzbäche von Schweiß den Rücken hinab, die den Niagarafällen Konkurrenz machten. Vorige Woche hätte dies noch einen höheren Zweck erfüllt. Nämlich die hundertjährige Eiche im Schlosspark zu löschen, die Waldi versehentlich in eine stehende Fackel verwandelt hatte. Aber da ahnte Gerard noch nichts von Horst Schlamms Plänen. Somit war die Eiche nicht zu retten gewesen und Gerard beschlich das ungute Gefühl, dass es ihm ähnlich erging, wenn er die neueste Kreation des Trolls verkostete, deren Zutaten nicht nur eigenwillig, sondern zuweilen auch gefährlich waren. Wie die Suppe vergangenen Monat,...weiterlesen